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3 hartnäckige Mythen rund um Geburt

  • 15. Feb. 2023
  • 6 Min. Lesezeit

Kaum ein anderes so alltägliches Thema ist so mythenbehaftet wie die Geburt des Menschen. Zwar erleben wir sie oft um uns herum oder eben auch selbst, doch es scheint immer noch so zu sein, dass viel Halbwissen existiert, welches Ängste und Unsicherheiten schüren kann.

In meiner langjährigen Arbeit als Hebamme bin ich immer wieder auf 3 ganz besonders hartnäckige Mythen gestoßen und möchte jene nun etwas mehr ins Licht der Wahrheit rücken.


Lasst uns mit dem Thema “Nabelschnur” beginnen. Wie oft habe ich bereits diesen Satz gehört: “Ihr hattet eine Geburt im Auto oder alleine zu Hause und es ging so schnell, dass Ihr es nicht mehr zur Klinik etc. geschafft habt? Aber wer hat denn die Nabelschnur durchgeschnitten?”

Es ist faszinierend für mich und es scheint, dass dies einen großen Platz rund um die Geburt einnimmt. Dies tut es aber nicht auf wirklich durchdachte Weise, wenig wird hinterfragt. Einmal ganz salopp gesagt, niemand MUSS die Nabelschnur durchschneiden. Sie kann auch von ganz alleine abfallen, des nennt man Lotusgeburt und ist eine weit verbreitete Praxis überall auf der Welt. Doch dazwischen gibt es natürlich Nuancen und irgendwo zwischen dem sofortigen Abnabeln bei Kaiserschnitt oder Rhesus negativen Müttern (wofür es keine Evidenz basierten Studien gibt, welche mich als professionelle Hebamme befriedigen) und einer Lotusgeburt, wirst Du mit Deinem Kind den richtigen Weg finden. Und ich ermutige Dich, jenen in aufgeklärter und reflektierter Weise zu beschreiten.

Das frühe Abschneiden der Nabelschnur ist die herbeigeführte und vorzeitige Trennung des Kindes von der Plazenta und somit vom Körper seiner Mutter. Es schmerzt mich förmlich, prall, mit Blut gefüllte, Nabelschnüre abgetrennt zu sehen, während der physiologische Prozess danach schreit, weiterhin mit Sauerstoff angereichertes Blut von der Plazenta zum Kind zu transportieren. Die richtige und auf das Wohlbefinden des Kindes abzielende Frage sollte also lauten: “Wie lange habt Ihr denn die Nabelschnur dran gelassen? Konnte sie auspulsieren?” Ich hoffe sehr, dass endlich ein Paradigmenwandel geschieht und Geburtshelfer die Vorteile des Auspulsierenlassens der Nabelschnur in den Vordergrund stellen. Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, dann schau gerne mein Youtubevideo zum Thema “Nabelschnur, Lotusgeburt und Plazenta” an. Momentan gibt es dies aber nur auf English. https://www.youtube.com/watch?v=8LAPemC2k1Y

Ein weiterer sehr hartnäckiger Mythos ist jener rund um die Muttermundsöffnung in Relation zur Dauer der Geburt. 1 Zentimeter pro Stunde. Dies ist wirklich, entschuldige, totaler Blödsinn! Was sind wir - Maschinen und alle gleich? Die Antwort ist klar. Du musst verzeihen, aber diese Annahmen und Praktiken in den Krankenhäusern überall auf der Welt haben tiefgreifende Folgen:

Frauen setzen sich enorm unter Druck, vergleichen sich, meinen evt. sie machen etwas falsch, hören nicht mehr auf ihren Instinkt und geben sich und ihrem Kind nicht den nötigen Raum und die nötige individuelle Zeit, die Geburt zu durchleben.


Und dabei ist dies so unendlich wichtig und wie wir alle unterschiedlich und einzigartig sind, so sind es auch unsere Geburten. Jene verdienen Geduld, Raum, Zurückhaltung und Gewährenlassen. Doch die heutige Praxis sieht leider ganz anders aus. Die “1 Zentimeter pro Stunde Regel” führt zu völlig unnötigen Eingriffen wie Wehentropf, Muttermundsdehnung, PDA oder eben zum Kaiserschnitt*. Es geht darum, möglichst “schnell zum Kinde zu kommen” und wer da nicht ins Zeitfenster passt, bei dem wird nachgeholfen. Viele Krankenhäuser sind Wirtschaftsunternehmen, welche bei einer normal verlaufenden Geburt (ohne jegliche Intervention) Geld verlieren würden. Kein gutes Geschäft. Und somit ist es heutzutage alltäglich, dass völlig normal verlaufende Geburten durch unnötige Interventionen aufgrund von Zeitdruck eine Abwärtsspirale von Intervention und Folgen hinabgleiten und schlussendlich in einem Notkaiserschnitt enden. Sehr oft absolut hausgemacht. Ich habe dies öfter beobachten müssen, als mir lieb war, und fühle mich bis heute betroffen, da ich die Frauen und Kinder nicht schützen konnte.

Doch was macht dies mit Dir? Mit Deinem Partner? Alleine nur zu wissen, dass Dich das in der Klink erwarten könnte, kann zu Stress führen und das ist natürlich nicht förderlich für die Eröffnung jener “schüchternen” Körperöffnung, unseres Muttermundes. Ich möchte Dir zu verstehen geben, dass jede Geburt anders ist. Und jeder Muttermund verhält sich anders und in den einzelnen Phasen der Geburt kann es auch mal sein, dass es Stillstand gibt und in der nächsten Phase der Geburt öffnet er sich super schnell von halb offen auf offen usw.

Nimm Dir Zeit, informiere Dich. Finde heraus, welcher Geburtsort am besten zu Deinen Wünschen passt. Welche Klinik Geduld hat, eine niedrige Kaiserschnittquote hat, wenig Interventionen macht. Schreibe einen Geburtsplan, treffe Dich mit dem Team des Kreissaals oder wenigstens mit einige Hebammen und Ärzten dort. Es ist Dein Recht, Dich wohl zu fühlen, Dich geborgen zu fühlen. Tust Du es nicht, dann gehe dort nicht hin. Folge Deinem Bauchgefühl. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und vielleicht siehst Du ja auch eine Hausgeburt oder Geburtshausgeburt als Möglichkeit. Es gibt auch Beleghebammen, also Hebammen, welche Dich in eine bestimmte Klinik begleiten und nur für Dich verantwortlich sind.

Falls Du mehr zu diesem Thema erfahren möchtest, dann verabrede doch bitte ein Gespräch mit mir. Infos dazu findest Du auf meiner Homepage unter Angebote.


Und nun kommen wir zum 3. großen Mythos, dem Thema Nabelschnur und Nabelschnurumschlingungen. Dies ist ein sehr sehr großes Thema, wie ich finde. Es ist mit Angst besetzt und wird sogar als Kaiserschnittgrund angegeben.* Zu erst möchte ich einmal, dass Du Dir das Video einer Wassergeburt von einer Freundin von mir anschaust bitte:



Wie Du hier sehr schön sehen kannst, war Amaia´s Nabelschnur mehrere Male um Hals und Brust gewickelt. Ich selbst hatte meinen Rekord als Hebamme, als ich die Nabelschnur eines Jungen, welcher zu Hause in der Badewanne geboren wurde, 3 Mal abwickeln musste. Mein Sohn Laya hatte seine Nabelschnur ein Mal um den Hals und zudem war sie auch noch sehr sehr kurz. Meine letzte Wassergeburt in Mexiko war mit Nabelschnurumschlingung. Ich selbst hatte die Nabelschnur um den Hals, meine Brüder auch. Ihr merkt schon…Es ist etwas sehr Normales und auch kein Wunder, denn als Baby haben wir anfangs noch recht viel Platz und wir lieben es, uns zu drehen, zu bewegen und eben auch mit unserer Nabelschnur zu spielen. Manche Nabelschnüre sind wirklich sehr lang und sogar bei kurzen Schnüren sind Umwicklungen keine Seltenheit. Nun komme ich wieder zurück zu meinem Lieblingssatz: Die Natur ist nicht doof. Warum würde die Natur etwas so Gefährliches in den Geburtsprozess einbauen?

Es macht für mich keinen Sinn. Nun folgen einige Dinge, welche ich zur Aufklärung heranführen möchte: Die Gefässe der Nabelschnur sind mit der sogenannten Warton´schen Sulze umgeben, einem gallertigen Bindegewebe (Man sieht es toll in dem Video). Jenes schützt die Gefässe vor Kompression. Du musst verstehen, dass das Baby noch nicht atmet im Bauch, es kann also nicht stranguliert werden. Die Luftröhre ist nicht genutzt, um Luft ein und aus zu atmen, sondern das Baby trainiert diesen Vorgang mit Fruchtwasser, welches es bis zur (Kopf)geburt noch in den Lungen hat. Bei der Geburt des Babys wird es sozusagen aus dem Baby herausgepresst und wenn das Kleine dann ganz geboren ist (manchmal auch schon bei Kopfgeburt), holt es dann zum ersten Mal Luft. Dabei gehen wir davon aus, dass es bereits von der Hebamme, Mutter, Vater, Arzt etc. in Empfang genommen wurde und “entwickelt” werden konnte. Wie bereits erwähnt, atmet das Kind erst, wenn es geboren wurde. Worauf ich aber hinweisen muss, sind sehr seltene Fälle, in welchen die Nabelschnur Blutgefässe am Hals abdrücken könnte. Aber es ist wichtig zu verstehen, dass dies wirklich sehr sehr selten ist.

In unserer heutigen Zeit, wird den Eltern oft gesagt, dass ein Kaiserschnitt gemacht werden musste, weil das Kind die Nabelschnur um den Hals hatte und deshalb die Geburt nicht vorangegangen war. Ich halte das in den meisten Fällen für eine sehr seltene Möglichkeit, aber nicht den absoluten Grund. Zumal es oft einfach mal auf die Nabelschnur geschoben werden kann und dann nicht mehr nach anderen Gründen für das chirurgische Beenden der Geburt gesucht werden muss. Smit wird ein Reflexionsprozess der Beteiligten oft ausgespart. Was mich auch beunruhigt, ist der Fakt, dass nun sogar Nabelschnurumschlingungen in Ultraschalluntersuchungen angegeben werden, was natürlich zu Verunsicherung führen kann.

Wie gesagt, es ist eine weit verbreitete und normale Sache und Du solltest Dich nicht verunsichern lassen.


*Ich möchte nicht absprechen, dass die PDA und der Kaiserschnitt in einigen Fällen ein richtiger Segen ist.

*Auch hier wieder der Hinweis darauf, dass es Komplikationen aufgrund von Nabelschnurumschlingungen geben kann, doch jene sind weitaus seltener als angenommen.


Wenn Du mehr über mich und meine Arbeit erfahren möchtest, bitte schau Dich auf meiner Homepage um und reserviere ein kostenloses Kennenlerngespräch mit mir. Ich freue mich auf Dich! yourmidwifehour@gmail.com

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