Alleingeburt & freie Geburt - Ein neuer Trend? Und warum ich es als Hebamme sehr unterstütze
- 18. Apr. 2023
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Apr. 2023
Als ich Hebamme wurde, erschien mir dieser Beruf der Wichtigste der Welt. Beim Beginn einer Familie dabei zu sein, war einfach ein wunderschönes Gefühl.
Mein Ego war ganz schön gepusht, denke ich. “Ahhh, Du bist Hebamme, das ist ja ein toller Beruf…Erzähl doch mal!” Und ich erzählte. Doch schon damals fiel mir nach so einem Gespräch auf, dass ich eigentlich meist von den Frauen und den echt nicht so tollen Umständen in den Krankenhäusern Deutschlands berichtete. Also gar nicht so viel über meinen Beruf an sich, sondern über die Missstände der Geburtshilfe (weltweit). Was mich am meisten, bereits damals, störte, war die Ohnmacht der “Entbundenen” den “Entbindenten” gegenüber. Ich spiele mit Absicht mit diesen Wörtern, das merkst Du sicher.
Falls Du mehr über traumatisierende Geburten aus Erfahrungsberichten erfahren möchtest, dann schaue Dir bitte diese Doku an:
In meinen anderen Blogartikeln spreche ich es immer wieder an: Die Selbstbestimmung während der Geburt ist in vielen Fällen einfach nicht gegeben und Trauma entsteht schnell, wenn einer Gebärenden Selbstverantwortung aus der Hand genommen und Gewalt (verbal, physisch, emotional) angetan wird. Das Gleiche gilt auch für den Partner, der sich in solchen Situationen auch hilflos und überfordert fühlt.
Viele Frauen gehen nach einer solchen Erfahrung den Weg der außerklinischen Geburt und wählen ihren Geburtsort zu Hause oder in einem Geburtshaus. Andere greifen gleich zum geplanten Kaiserschnitt, der in ihrer Wahrnehmung vermeintliche Gewalteinwirkung umgehen könnte.
Und dann gibt es noch eine andere Gruppe, eine wachsende Zahl von Paaren, die sich für eine Alleingeburt oder freie Geburt entscheiden, dies eventuell sogar bereits beim ersten Kind.
Anfangs beobachtete ich diesen Trend kritisch. Musste ich doch erstmal von meinem “hohen Roß” der unangefochtenen Geburtshelferin herab klettern.*
Und nun zu den Frauen, die ganz klar sagen, ich möchte alleine / frei und ungestört gebären. Was für Frauen sind das? Es sind meist sehr starke und selbstsichere, in die Natur vertrauende Menschen, die alle Verantwortung auf sich nehmen. Oft haben sie von Anfang der Schwangerschaft an bereits das Gefühl, dass sie alleine und in Ruhe sein müssen, um dieser Geburt ihre Zeit und ihren Raum zu geben, den es braucht. Ein Bauchgefühl, ein Hineinspüren zum Kind. Bitte lese meinen Artikel “Dein Baby ist die Hebamme”, in dem ich darüber berichte, wie mein Sohn Laya von Anfang an bereits seinen Geburtsort bestimmte und mir sehr viel Vertrauen in ihn und auch mich selbst schenkte.
Hatte ich eine Alleingeburt? Nun gut, ich hatte eine sehr freie Geburt, welche in Gemeinschaft stattfand, doch es war keine medizinisch ausgebildete Hebamme (außer mir selbst) anwesend.

Auch hier gibt es einen Blogartikel darüber, wie ich Laya in Gemeinschaft am Strand auf Palawan (Philippinen) gebar.
Was ist also die Definition von “Alleingeburt” oder “Freier Geburt”? Ich möchte meinen eigenen Definitionsversuch abgeben, da sich die Geister scheiden. Für mich bedeutet die Alleingeburt nicht, dass Du alleine in einem Zimmer bist und niemand Dich unterstützen darf. Für mich aus Sicht einer Hebamme und Mama bedeutet es, dass Du nur Leute, um Dich herum hast, die Dich auf Deinem Weg, eine sanfte selbstbestimmte Geburt zu haben, unterstützen und gegebenenfalls über weite Teile der Geburt auch nicht mit im Raum sind. Das heißt, Du kannst vollends auf Dich und Dein Baby hören und gebärst ungestört, in Deinem Tempo, in Deiner Kraft, in Deiner Verbundenheit mit Deinem Kind. Und der Partner kann natürlich auch an Deiner Seite sein, Deine Mutter, eine Freundin. Es geht darum, dass Du Dir Deine Selbstbestimmung nicht nehmen lässt. Und wenn Du mich fragst, dann ist dies auch mit einer Hebamme als “Backup” möglich. Deshalb gefällt mir auch der Begriff “Freie Geburt” besser, da er Unterstützung mit einbezieht und nicht diesen Druck aufbaut, dass es nur eine Alleingeburt ist, wenn man wirklich alleine ist.
Hier ist das Video zu O´shas Geburt. Ich war die Hebamme im Hintergrund für dieses Künstlerpaar, meine guten Freunde June und Vincent. Sie riefen mich nur zu den letzten Minuten der Geburt hinzu und ich würde bis heute sagen, dass es eine freie Geburt war, eine Geburt ohne großartige Assistenz und Eingriff.
Immer wieder werde ich nun gefragt, ob ich Paare auf ihrem Weg zur freien Geburt unterstützen möchte. Sei es in Person (also als Backup im Hintergrund) oder am Telefon. Ich habe nun bereits einige Menschen auf der ganzen Welt auf diesem Weg begleitet und tue das sehr gerne auch online durch regelmäßige Gespräche und Videocalls. Auf den Philippinen rief mich meine Nachbarin Monica erst dazu, als das Baby bereits geboren war. Also kam ich zur Plazentageburt und Unterstützung danach. Hier kannst Du ihre Geschichte hören:
Ich würde sogar sagen, dass Jay, eine Frau aus Mindanao, Philippinen, eine freie Geburt in einem Geburtshaus hatte, denn sie gebar selbstbestimmt auf ihrer Yogamatte, genau, wie sie es sich wünschte und beim Videocall mit mir manifestierte.
Es geht um den Grad der Freiheit und Selbstbestimmung meiner Meinung nach. Und wenn dieser individuelle Grad nur dann erreicht werden kann, wenn man, wie meine Freundin Sarah, völlig alleine gebärt, dann ist dies der richtige und wunderbare Weg, den eine junge Mutter gehen sollte. Ich würde sogar so weit gehen, dass ein ganz bewusst und informiert gewählter Kaiserschnitt eine freie Geburt sein kann.
Und wie man selbstbestimmt und informiert gebärt, kann man durchaus erlernen, durch Insichgehen und Selbstreflektion. Es hilft, zu wissen, was man will. Weitaus mehr als, was man nicht will. Es gibt sehr viel Information darüber, was man für eine Geburt zu Hause alles benötigt und vorbereiten muss und auf meiner Homepage findest Du wichtige Tips und Tricks in Form meiner Blogbeiträge und Videos.
Ich hoffe, dieser Artikel kann Dir helfen, Deinen eigenen Weg zu finden und ich würde mich sehr freuen, wenn ich Dich auf jenem Weg begleiten könnte. Schau hier auf meine Angebote: https://www.yourmidwifehour.com/de/avenues-of-support-offerings
Vereinbare doch einfach ein kostenloses Kennenlerntelefonat unter yourmidwifehour@gmail.com.
Ich freue mich auf Dich und Deine Fragen!
*Wichtig ist dabei noch zu erwähnen, dass uns bereits in der Ausbildung gesagt wurde, dass Deutschland ein Land sei, bei dem es eine Hebammenzuziehungspflicht gibt. Das heißt, nur eine Hebamme kann eine physiologische Geburt leiten, kein Arzt. Ärzte müssen Hebammen in Deutschland hinzuziehen. Bzw. in deutschen Krankenhäusern läuft es eher andersherum. Die Hebamme ist während der Geburt anwesend und dann kommt der Arzt irgendwann dazu. Und wenn alles gut läuft, hat er nix zu tun. Das scheinen Ärzte nicht so gerne zu haben, denn die Interventionsraten bei völlig physiologischen Geburten steigen mehr und mehr in die Höhe.

