Das Wochenbett verstehen & vorbereiten - Teil 2: Tips für den Vater, die Geschwister & Haustiere
- 10. März 2023
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. März 2023
Willkommen zum Teil 2 der Artikelreihe “Das Wochenbett”. Ich hoffe, Dir gefiel Teil 1, in dem es um die Mutter und das Baby geht. Falls Du das nicht gelesen haben solltest, dann klicke bitte hier und lies diesen Artikel zuerst:
Und nun kommen wir zum jungen Vater. Für ihn gilt natürlich das Gleiche was auch für die Wöchnerin und das Baby gilt. Es ist die Zeit des Ausruhens, der Neufindung, des Verständnisses und des Annehmens der neuen Rolle und die Zeit, in der es darum geht, gut für sich und schlussendlich für die Wöchnerin und für das Kind zu sorgen.
Eine Freundin sagte einmal etwas sehr Schönes zu mir. Die Mutter ist für das Baby da, der Vater für die Mutter und die Gemeinschaft für den Vater. Es mag nicht für jede junge Familie so sein, doch wenn es darum geht, ein kleines Wesen in diese Welt zu bringen, dann braucht es Schutz und Unterstützung und der Vater sollte nicht vergessen werden und sich in der Rolle des “Ernährers” verlieren. Männerkreise sind eine tolle Sache, es gibt sie persönlich oder online. Oder eben einfach das Bier mit dem besten Kumpel.
SPRECHT, IHR MÄNNER! Redet über das, was Euch durch den Kopf geht. Auch Ihr habt keine Initiationsrituale mehr und auf einmal seid Ihr ein Vater!? Das kann viel auf einmal sein.
Muss es aber nicht. Wie wäre es zum Beispiel, wenn Ihr Euer Gefühl des “Ich kann hier gar nicht viel tun und meine Freundin ist nur noch mit dem Kind beschäftigt und so richtig happy ist das Baby nur mit ihr…!” durch den Windelwechsel-König-Titel ausgleicht? Es scheint fast schon zu einfach zu sein, doch aus Erfahrung heraus, ist es eine enorme Bindungsbrücke und super Unterstützung, wenn der Vater die Windeln wechselt…und dies auch nachts. Die Mama tut bereits genug. Und wenn es ein Abkommen zwischen Euch gibt, welches klar sagt, dass so um die 8-15 Mal am Tag die Windeln vom Papa gewechselt werden, dann bringt das ungemein Ruhe in den ganzen Prozess. Die Wöchnerin kann nach dem Stillen wieder einschlafen, muss nicht aufstehen etc. und der Vater verbringt ganz viel Zeit alleine mit dem Baby, welche soooo wertvoll ist. Rituale schaffen, das ist, was Familie ausmacht. Das ist, was Verbindung kreiert.

Und nun noch ein paar ganz praktische Tips und Dinge, um die sich der Papa im Vorfeld bereits kümmern kann:
Gesundes, leicht verdauliches Essen vorkochen und erfrieren
Nachbarn, Freunde oder / und Familie fragen, ob sie abwechselnd frische Mahlzeiten kochen können und es vor die Haustür stellen
Lieferdienste für gesundes Essen heraus suchen und auch schonmal ausprobieren
Elterngeldanträge usw. soweit ausfüllen, dass es ganz einfach ist, jene nach der Geburt des Kindes einzureichen
Ein Schild mit “In Babyflitterwochen” an die Tür hängen, damit keine unerwarteten und unerwünschten Besuche kommen
Türklingel abstellen, damit man tagsüber auch mal Schlaf nachholen kann
Fenster verdunkeln, wenn es schwer fällt, tagsüber bei Licht zu schlafen
Schlafmasken und Ohrstöpsel besorgen
Das Rausgehen mit dem Hund organisieren
Gutes organisches Essen besorgen, gesunde Snacks, hydrierende Getränke wie Kokosnusswasser, leckere und wärmende Tees
Unterstützung im Haushalt organisieren und vor allem auch annehmen
Wie bereits erwähnt, wirken sich bestimmte Hormone auch auf den Mann aus. Das Prolaktin wirkt auf ihn und eröffnet eine Art Tunnelblick, welcher sich stark auf das Kind fokussiert. Es ist okay, nicht mehr 100% zu funktionieren. Auch “Wochenbettdepressionen” und Verstimmungen sind wirklich keine Seltenheit bei jungen Vätern.
Fühle Dich als Mann eigebettet in die Gemeinschaft. Lass Dich tragen von Familie, Freunden, Nachbarn. Es ist eine wunderbare Chance, Hilfe und Unterstützung anzunehmen und ja, man kann es auch ohne schaffen. Doch warum sollte man, wenn eigentlich jeder helfen möchte, aber eventuell nur nicht richtig weiss, wie!?
Es gibt nichts Schöneres, als ein Kind in eine Gemeinschaft aufzunehmen und dazu gehört Beteiligung und Unterstützung von Anfang an. Probier es aus!
Was die vorhandenen Geschwister angeht, lese bitte meinen Blogartikel darüber, warum Kinder ruhig bei der Geburt dabei sein können. Dort schreibe ich spezifisch über Hausgeburten oder Geburten in außerklinischen Einrichtungen. Eines ist klar, das Leben des Geschwisterkinds, vor allem, wenn es zum ersten Mal eine Schwester oder einen Bruder erwartet, wird sich komplett auf den Kopf stellen.

Ich habe nur ein Kind und Laya ist immer noch der unangefochtene Prinz hier im Haus, doch eines weiss ich nun: Er persönlich hätte vor einiger Zeit noch sehr daran zu knabbern gehabt, ein Geschwisterchen zu bekommen. Heute ist es anders und er fragt auch manchmal, ob da noch wer kommt.
Und so ist dieser Prozess ein sehr individueller und ich bin mir sicher, dass Du ihn als Mutter instinktiv gut begleiten wirst. Und natürlich geht es auch hier wieder um Kommunikation, spielerisch ist wahrscheinlich mehr angebracht. Es gibt wunderschöne Bücher, Filme, Puppen, Hörspiele etc. Bringe Dein Kind ruhig mal zu anderen Babys z.B. in Deinem Freundeskreis oder auf dem Spielplatz. Und ganz wichtig, beziehe es von Anfang an mit in die Schwangerschaft ein. Meist sind Kinder extrem fasziniert davon zu sehen, wie der Bauch langsam wächst, wie sich das Baby bewegt, wie die Mama von der Hebamme vermessen wird und wie alles wackelt, wenn das Baby Schluckauf hat. Lass den Bauch bemalen, lass Dein Kind träumen und sich Namen ausdenken. Beziehung beginnt genau da - während der Schwangerschaft oder vielleicht sogar schon, wenn der Gedanke an ein weiteres Kind am Reifen ist. Es gilt das Selbe wie für Dich und Deinen Partner (und Deine Haustiere natürlich).
Was tust Du nun mit Deinem großen Kind / Deinen großen Kindern, wenn das Baby geboren werden will oder bereits da ist?
Ich kann Dir hier keinen genauen Fahrplan erstellen, denn dafür sind Familienkonstellationen zu individuell. Doch ich möchte Dich offen machen für ein paar Anregungen.
Wie schön wäre es, wenn das Kind bereits vorher wüsste, dass es eine Art “Baby-Baby-Sitterin” hat, welche voll und ganz für es da sein wird, sobald das Baby geboren wird, also die Geburt anfängt? Diese Person ist dem Kind natürlich bereits bekannt und vertraut und sie mögen einander. Ich finde es eine sehr schöne Vorstellung, dass das größere Kind da ist, in der Familie ist und trotz Zuwachs eine ganz besondere Aufmerksamkeit bekommt, welche nicht künstlich ist, sondern ganz klar kommuniziert. “Mama muss sich ausruhen und Papa kümmert sich gerade um das Elterngeld und ich bin heute den ganzen Tag für Dich da und wir machen was Schönes zusammen - hier oder draussen.”
Und wie wäre es, wenn das Baby dem Geschwisterkind ein kleines Geschenk mitbringt? Etwas ganz Besonderes?
Und natürlich sollte(n) das Erstgeborene / die größeren Kinder auch viel beim Baby sein, kuscheln und erkunden. Ich glaube, Vorbereitung ist das A und O und natürlich auch die Offenheit dafür, dass manchmal der schönste Plan nicht aufgeht.
Und dabei kommen wir wieder auf Ruhe und Raum zu sprechen. Platz für Improvisation, Spass und Spiel.

Die Haustiere - das erwartet man evt. nicht in einem Artikel über das Wochenbett. Doch ich muss es Katzen- und Hundebesitzern sicher nicht erklären, das auch unsere Vierbeiner durch eine große Umbruchphase gehen, wenn da auf einmal ein kleines Wesen im Bett schläft und sie da plötzlich nicht mehr rein dürfen. Ich bin keine Expertin darin und möchte Dir hier nur Anregungen geben, dass es Sinn macht, sich bereits in der Schwangerschaft mit z.B. Eifersucht bei Haustieren auseinander zu setzen. Bei Hunden zum Beispiel sagt man, dass sie die Windeln des Babys riechen sollen. Es gibt sicherlich sehr viele Anregungen und Tips und Du wirst da ganz bestimmt Deinen Weg gehen!
Von mir kann ich berichten, dass unsere Katze Muna bei Laya´s Geburt etwa 4 Monate alt war und Laya´s Ankunft im Strandhaus miterleben durfte. Wie Du hier auf dem Foto sehen kannst, war sie auch sofort Feuer und Flamme und super in Laya verliebt. Bis heute haben sie eine ganz tolle Verbindung und es hat sicherlich was damit zu tun, dass sie als kleiner Vierbeiner erstens noch sehr jung war, aber eben auch von Anfang an dabei sein durfte. Muna bedeutet auf Philippinisch “Zuerst, Zuvor, Erste” und das war ein sehr bewusst gewählter Name, denn sie war ja irgendwie zuerst da auf dieser Welt. Und Laya weiss auch, dass sie bei seiner Geburt dabei war und das gibt ihm eine ganz besondere Achtung vor ihr, habe ich das Gefühl. Heute ist Laya natürlich schon viel größer als sie, aber er weiss, dass sie älter ist. Und irgendwie ist das eine sehr besondere Erkenntnis.

Ich hoffe, dass Du, zusammen mit dem Teil 1 einen guten Überblick über das Wochenbett erhalten hast und Du ein paar Anregungen bekamst, wie Du Dich am besten auf die Zeit als Wöchnerin vorbereiten kannst.
Ich wünsche Dir alles Gute und wenn Du mehr über mich und meine vielseitigen Angebote für Dich und Deinen Partner erfahren möchtest, dann verabrede doch ein kostenloses Telefonat mit mir, indem Du mir einen Email schreibst: yourmidwifehour@gmail.com oder schau Dich einfach etwas auf meiner Homepage um.
Alles Liebe und nur das Beste,
Isabel, Laya, Evan & Muna

