Empfange Dein Baby selbst
- 24. Feb. 2023
- 3 Min. Lesezeit
Gestern fragte mich meine neue Vermieterin hier in San Cristobal (Mexiko), was ich denn eigentlich so arbeite. Ich sagte, ich sei Hebamme und sie war ganz hin und weg. Und sie fragte mich als erstes, und ich fand das im Nachhinein echt ganz toll: “Hast Du selbst geboren?” Erst verstand ich die Frage nicht ganz, doch dann dämmerte es mir.
Und ich sagte: “Ja, ich habe Laya selbst in Empfang genommen!”
Was bedeutet das?
Zum ersten Mal habe ich das in meinem Externat während meiner Ausbildung mit einer Hausgeburtshebamme im Allgäu gesehen. Eine Zweitgebärende sass in der Wanne und drückte schon fleissig mit. Ich dachte, wann die Hebamme denn nun endlich mal was machen würde (Da war ich noch so in meinem Krankenhausding drin). Doch sie tat nichts. Einfach “nix”*.
Aber die Frau TAT, völlig ungestört und instinktiv schob sie ihr Kind sanft und selbstbestimmt in ihre Hand. Sie konnte genau bestimmen, wieviel sie schob, wie schnell, wie langsam…Ich war fasziniert. Und dann sah ich das noch viele Male und während meiner Zeit im Geburtshaus Hamburg oder meiner Arbeit auf den Philippinen und hier in Mexiko war es mir wirklich immer sehr wichtig, den Frauen diese Möglichkeit offen zu lassen. Manche wollten das nicht unbedingt, doch die meisten berührten den Kopf des Kindes entweder vaginal oder wenn er bereits (fast) geboren war. Der Gesichtsausdruck einer Gebärenden, wenn sie mit ihren Händen BEGREIFEN kann, wie nah sie dem Moment ist, ihr Kind in den Armen zu halten, ist unbeschreiblich. Noch lange danach, werden mir diese Momente erzählt von den Frauen. Auch Väter oder Geschwister berührten die Köpfe des kleinen Babys, welches da gerade geboren wurde. Und natürlich nehmen viele Frauen auch ihre Kinder selbst hoch und entscheiden alleine, wann es der richtige Moment ist, das Baby in ihre Arme zu schliessen. Warum sollte dies die Hebamme tun? Stimmt’s?
Ich habe mit dem Baby doch am aller wenigsten am Hut. Scherz bei Seite.
Ich habe es bereits öfters erlebt, dass sich Mutter und Vater das Kind, welches zum Beispiel auf dem Boden (auf einer Matte) etc. geboren wurde, noch einige Sekunden lang anschauen, bevor sie es hochnehmen. Und ich finde das immer einen ganz tollen und sehr bewussten Moment.
Im Krankenhaus benutzt man gerne den Begriff ENTBINDUNG. Dies zeugt wirklich davon, dass jemand anderer etwas tut und einen von etwas entbindet. Solch ein passiver Begriff mißfällt mir, und vielen anderen Frauen, nicht nur, sondern ein Paradigmenwechsel muss her, da wir Frauen nicht von unseren Kindern entbunden werden müssen. Wir gebären sie, so selbstbestimmt wie nur irgend möglich und so sanft wie Lebewesen es verdienen.
Die Bewegung geht langsam dorthin, dass Frauen mehr und mehr die Geburt ihrer Kinder sprichwörtlich in die eigenen Hände nehmen. Und das ist gut so.
Ich selbst, wie bereits gesagt, habe Laya ohne Intervention von aussen geboren. Zwar hatte ich viele massierende Hände und Helfer, wie man auf dem Foto sehen kann (Lese bitte meine anderen Blogbeiträge), doch vaginal untersuchte ich mich selbst und ich gebar Laya auch in meine Hände. Und ja, die Selbststeuerung und -bestimmung war extrem wichtig für mich. Ich hatte große Schwierigkeiten, Laya´s Kopf gebären zu lassen. Er wollte - ich war noch nicht bereit. Also hielt ich ihn einige Sekunden zurück und gebar, als ich wirklich `ready` war. Dies fühlte sich sehr wichtig an für meinen Prozess, Mutter zu werden. Und natürlich bestärkte mich dies auch in meiner Arbeit als Hebamme.

´Hands off´, das ist mein Motto seit vielen Jahren und meine Energie stecke ich lieber in die Unterstützung und Bestärkung der Frau, der Familie, als in “Ich muss jetzt was machen”. Da unterscheiden sich (Hausgeburts-) Hebammen sehr von Ärzten, welche auf Intervention gepolt sind. Einfach nur nichts tun und Selbstbestimmung walten lassen, fällt oft schwer. Und glaube mir, eine Gebärende ist “volle Kanne” Selbstbestimmung und Ausdruck universeller Kraft und Schönheit. Das muss man erstmal aushalten lernen.
Doch zum Glück kommt das alles mit der Erfahrung.
Ich hoffe, dieser Artikel ist eine Bereicherung für Dich und gibt Dir Denkanstösse, wie Du Deine Geburt gestalten möchtest. Trau Dich! Und wenn nicht, dann bin ich gerne für Dich da, um Dich zu bestärken.
*Natürlich sind Hausgeburtshebammen extrem konzentriert und bei der Sache und halten sich nur dann so zurück, wenn die Geburt dies gewährt.
Mehr Blogartikeln findest Du hier auf meiner Homepage und auch meine Angebote für Dich kannst Du hier einsehen. Vereinbare doch ein kostenloses Telefonat mit mir unter yourmidwifehour@gmail.com und evt. kann ich Dich ein wenig auf Deinem Weg zu einer selbstbestimmten Geburt begleiten. Das würde mich sehr freuen, denn jede Geburt zählt.

