Helfende Hände - Laya´s Geburt am Strand
- 26. Dez. 2022
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Feb. 2023

Es braucht viele Hände, welche Dich über die Brücke hin zu einem neuen Bewusstsein tragen werden. Dies war meine Erfahrung. Während der Geburt von meinem Sohn Laya in einem kleinen Haus an einem wunderschönen Strand auf den Philippinen lud ich viele enge Freunde ein, welche uns bei der Geburt unterstützten. Und niemand war zu viel. Jede helfende Hand wurde gebraucht. Sei es unser Zimmerer Neptali, welcher am Tag, als die Geburt losging, noch schnell eine Struktur zusammenbaute, welche über dem Pool stand und woran

man ein Seil befestigen konnte. Die Idee dazu, wie ein Seil befestigt werden könnte, um sich ranzuhängen, kam übrigens von meinem alten Freund Jens, der gerade aus Deutschland zu Besuch war. Dieses Ding war so wichtig, denn nur einige Stunden später hang ich viel an diesem Seil, um eben nicht in den Seilen zu hängen…hehe.
Oder sei es der Männertrupp, welcher sich um das Beschaffen des Wassers aus dem Fluss und das Erhitzen dessen über einem Feuer außerhalb des Hauses kümmern musste. Es war Schwerstarbeit für sie und Du kannst Dir nicht vorstellen, wie ihr Gesicht aussah, als ich doch tatsächlich am Ende gar nicht in den Pool steigen wollte…ich bin dann aber trotzdem rein und es ersparte mir einige Zeit und Wehenintensität. Danke nochmal Edgar und Dodi!
Dann meine zwei Freundinnen und ihre Töchter. Eine meiner Freundinnen, Janine, reinigte die ganze Zeit den Raum energetisch und verteilte Weihrauchgeruch. Diese wunderschöne Aufgabe war so hilfreich und ist auf den Philippinen auch äusserst normal. Nebenbei passte sie noch auf ihre 1 jährige Tochter Kala auf, welche mich mit großen Augen ansah, während ich gebar. Unvergesslich, denn nur ein Jahr zuvor wurde sie in meiner Anwesenheit in die Hände Ihres Vaters Dodi geboren.

Dann meine Freundin Adelle, welche selbst zwei Hausgeburten hatte, doch nur mit ihrer Tochter Sofi dasein konnte, da Anaya einige Jahre zuvor kurz nach ihrer Geburt an einem unentdeckten Herzfehler verstarb. Und dann war es so besonders, als Adelle mir nach Laya´s Geburt erzählte, dass sie in der 14. Woche schwanger sei und einen Sohn erwartete: Agos, Laya´s zukünftigen Spielkamerad. Für Adelle war es heilend, sanfte und freie Geburten zu beobachten und auch Sofi erzählt mir noch bis heute, wie stark ich doch gewesen sei. Diese beiden Frauen mit ihren Geschichten und Töchtern spielten eine sehr grosse Rolle besonders am Ende von Laya´s Geburt. Darauf komme ich noch zu sprechen.
Doch erst muss ich meine Doula und Freundin Marta erwähnen. Sie ist auch Craniosakraltherapeutin und schoss mich mit ihren Berührungen das ein oder andere Mal hoch ins Universum und wieder zurück. Es tat so gut, mal die, wirklich sehr kurze, Pause zwischen den Wehen in tiefster Entspannung zu erleben. Ausserdem versorgte sie mich mit homöopathischen Mitteln, welche wir zuvor besprochen hatten und lernte auch sehr schnell die Massagetricks meiner Hilot.
Meine Hilots: Ohne meine Hilots, traditionelle philippinische Geburtshelferinnen, mit “übernatürlichen” Kräften, wäre die ganze Geburt und Schwangerschaft sicher nicht so glatt verlaufen. Ich bin unendlich dankbar. Besonders Nanay (Mutter) Conching massierte mich ab Schwangerschaftswoche 32 wöchentlich, beseitigte krampfende Beine, sprach mir Mut zu, brachte Laya in die richtige Position und versicherte mir, dass er ein gesunder kleiner Junge ist und gab mir einfach ganz viel Liebe und Zuversicht (Lies dazu bitte meinen Blogartikel "Massagen in der Schwangerschaft"). Nanay Ernis war etwas zurückhaltender und nicht so involviert, ich wusste aber über ihre jahrzehntelange Erfahrung und wollte sie unbedingt dabei haben. Während Nanay Conching mit mir tanzte und mich hielt (als das noch ging) und mich massierte und wirklich Punkte um mein Kreuzbein und Steissbein massierte und drückte, die ich vorher nicht kannte, schlief Nanay Ernis in der Hochphase der Geburt auf der Couch mir gegenüber einfach ein. Und was glaubst Du, wie ich mich da gefühlt habe? Du wirst es nicht glauben wollen, doch es gab mir extrem viel Zuversicht und Selbstvertrauen in diesem Moment. Ich dachte mir “Wenn sie schlafen kann, dann läuft hier doch alles rund!”

Und nun noch zu Evan, Laya´s Vater, welcher wirklich keine Sekunde von mir weg sein durfte. Er war die maskuline Stärke in diesem Raum voller Frauen, welche ich mental, körperlich und spirituell absolut gebraucht hatte. Er hielt meine Hände und Arme die ganze Zeit, mein Körper drängte nach seiner Kraft und Stütze. Er leistete Schwerstarbeit, wirklich. Ich habe selten einen Mann erlebt, der körperlich so involviert war. Es war bedingungslos und einfach stark. Ich fühlte mich gesehen und in der Intensität der Geburt nicht alleine. Dies gilt natürlich für alle meine Geburtshelfer. Sie sahen mich, sie vertrauten mir. Keiner hatte Zweifel an meiner Kraft und mentalen Stärke, hier und jetzt gebären zu können. Sie kannten Laya, sie nannten ihn seit Monaten beim Namen. Er war bereits da, ein Teil unserer Gemeinschaft. Ich musste ihn nur herauslassen, durch mich hindurch lassen…auf diese andere Seite. Und da kommen wieder Janine und Adelle ins Spiel. Als ich nun endlich in den Pool stieg, nach etwa 6,5 Stunden intensivster Wehen mit Pausen nicht länger als 30 Sekunden (zum Glück war ich körperlich extrem fit und schwamm täglich bis zu 1 Stunde im Meer), trat Laya´s Kopf schnell tiefer. Das warme Wasser war genau, was mein angespannter Körper gebraucht hatte, um loszulassen und dem Druck von Laya nachzugeben, jetzt endlich geboren werden zu wollen. Doch ich hatte tierische Angst auf einmal. Das Adrenalin kickte rein und ich hielt Laya´s Kopf wirklich mit meiner eigenen Hand zurück. Ich hatte dolle Schmerzen, doch es war mehr die Angst vor einer großen Geburtsverletzung. Verständlich und vielleicht hast Du das ja auch erlebt. Nun wurde es abgefahren. In meiner Erinnerung liefen Janine und Adelle, welche wie Priesterinnen in schwarzen Kutten aussahen, um den Pool herum und schauten mich nur aus den Augenwinkeln an. Sie sagten mit stolzer und bestimmter Stimme “Lass los, lass los, nur einmal und es ist geschafft, lass los…” Ich sagte, ich könne nicht. Ich hätte Angst. Der Schmerz sei zu gross. Ich jaulte, wirklich…es war ein krasser Moment. Doch dann tat ich es. Ich ließ Laya einfach gehen, so symbolisch, so metaphorisch, so sinnbildlich für das Muttersein. Und was tat der kleine Bengel: er schoss in einer Wehe raus, also Kopf (der bereits fast geboren war, doch ich hielt ihn ja zurück) und Körper wurden in einer Wehe geboren. Ich glaube, ich musste nicht einmal mitschieben, er wollte einfach raus. Typisch für dieses kleine Wesen. Und dann war alles anders. Ich war Mutter. Und Laya war da. Instinkthaft, und ich hatte davor nie davon gehört oder gelesen, saugte ich ihn ab. Das bedeutet ich saugte mit meinem Mund das Fruchtwasser aus seiner Nase und seinem Mund. Wo das herkam - keine Ahnung…
Und dann war da Stille. Alle im Raum waren anmutig und still. Auch Dodi und Edgar waren da und schauten uns an. Ich werde Edgar´s Gesicht nie vergessen. Es war so erkennend, so ehrfürchtig, so bestätigend irgendwie. Da war keinerlei Sensationssucht. Es war ein bisschen wie ein würdiger Abschluss eines sehr harten Arbeitstags. 7 Stunden nach Beginn der Wehen. Rekordzeit wie ich fand, schliesslich war es mein erstes Kind und ich war bereits 37 Jahre jung. Und anhand vom Ertasten meines Pulses am Handgelenk durch die Hilots kam er genau in der von ihnen vorhergesagten Zeit. Ich erwähnte ja schon, dass sie übernatürliche Kräfte haben.
Laya wollte und konnte schnell an die Brust. Stillen war das Normalste der Welt auf einmal und ich tue es ja immer noch (Laya ist jetzt 4 Jahre alt).
Die Plazenta kam auch im Wasser, ohne Probleme. Laya´s Nabelschnur war sehr kurz. Deshalb wollte er sicherlich auch in einem Zug herauskommen. Das erlebe ich oft bei Kindern mit kurzer Nabelschnur oder Nabelschnurumschlingungen. Und dann wanderten wir zum Bett. Ich war sehr instabil und auf einmal so kraftlos. Aber es gab ja auch nichts mehr zu tun außer Lieben und Verlieben und Stillen und Ausruhen. Die Männer wuschen den Pool im Meer, mein Blut, Laya´s Fruchtwasser wurde dorthin zurück gegeben, wo er mich zum ersten Mal erreichte und zu mir sprach…im klaren Wasser des Nagtabon Beach auf der wunderschönen Insel Palawan, Philippinen. Adelle und Sofi campten noch eine Woche vor unserem Haus und kochten uns jeden Tag leckeren Eintopf. Ich bin bis heute noch so unendlich dankbar dafür.
Dankbarkeit, Liebe und tiefste Verbundenheit ist, was ich empfinde, wenn ich an meine helfenden Hände während Laya´s Geburt denke. Und auch ein Shoutout an Laya selbst, der mich während der Geburt so wunderbar geleitet hat und mich spüren liess, was er braucht und vor allem wie stark und gesund er ist. Keine Zweifel zu haben und ihm als Wesen vertrauen zu können, dass wir das alle hier schaffen werden, war essentiell. Auch dazu gibt es einen Blogartikel ("Das Baby ist die Hebamme").

Eine Gemeinschaftsgeburt. Hätte ich so nie gedacht. Ich bin mir aber auch sicher, dass nicht nur mir geholfen wurde, sondern jeder einzelne soviel von Laya´s Geburt mitgenommen hat. Jeder war wichtig, jeder kam in Liebe und Hilfsbereitschaft, jeder ging mit einem vollen Herzen und unvergesslichen Erinnerungen.
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