Konzeption und wie Laya zu uns kam
- 26. Dez. 2022
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Feb. 2023
Irgendwie merkt man es ja, oder? Eine kleine Vorahnung? Ein kleines Zeichen? Eine Deutung? Hmmm…aber da ist auch immer der Gedanke, enttäuscht zu sein, falls es dann doch nicht so ist. Wie hast Du die Zeit um die Konzeption des Kindes, Deiner Kinder erlebt?
Ich erinnere mich noch sehr genau. Es war anders, es war magisch und es war verbunden mit vielen Erinnerungen von früher. Was dies alles mit einer früheren Hebammenkollegin zu tun hatte und mit einer Frau aus meinem Rückbildungskurs, das erzähle ich Dir gleich.

Doch jetzt noch einmal kurz zurück zur eigentlichen Konzeption (Befruchtung) und was da genau passiert. Früher dachte man immer, dass kurz nach dem Eisprung eine Samenzelle, die Schnellste und Tollste, die Eizelle erreicht und dann sozusagen “gewonnen” hat und als erste und einzige in die Eizelle eindringt und diese dann befruchtet. Ist das nicht ein sehr maskulin geprägtes Bild? Ja, das ist es. Nun hat man nämlich herausgefunden, dass die Eizelle bestimmt, wer reinkommt und wer draussen bleiben muss…also die anderen Millionen Spermien. Es geht um das Empfangen, um das aktive Gewähren und nicht um ein Eindringen. Und ich finde diese Weise einfach weitaus passender und schlüssiger.
Für mich erschliesst sich dies ebenfalls, weil ich von Anfang an eine klares Bild davon hatte, wer Laya ist, das er ein Junge ist, dass er kommen will, dass er einfach DA ist.
Somit bin ich auch nicht verwundert, dass Laya´s Papa und ich nicht viele Versuche brauchten, um Laya gewähren zu lassen, ihn zu empfangen. Nur eine Woche nachdem Evan zu mir auf die Philippinen gezogen war, hatte meine Eizelle, die bereits ungefähr 37 Jahre auf diesen Moment gewartet hatte*, die Samenzelle, welche Laya zu 50% ausmachte, aufgenommen. Eine Verschmelzung. So wunderschön. Und dann ging es auch direkt los. Mit dem Skurrilen, dem Magischen, den Deutungen, den Zeichen und verwirrten Gedanken im Kopf. Mit diesen Dingen bleibt eine Frau so gut wie immer alleine, stimmt’s?
Nicht alleine konnte ich bleiben mit dem Fakt, dass ich am Tag der Einnistung (ein paar Tage nach Befruchtung), bei einem Aufstieg zu einem sogenannten Krieger-und Tattoovolk in den philippinischen Bergen von Kalinga fast zusammenbrach. Ich war absolut nicht in der Lage, meinen Rucksack da hoch zu tragen, hatte Atemnot und einen totalen Schwächeanfall. Nie zuvor hatte ich sowas schonmal erlebt, denn ich war immer sportlich und sehr ausdauernd. Komisch - was ist das wohl? Bin ich etwa schwanger? Nix gesagt natürlich. Viel zu früh - da sagt man doch nix. Aber schön gemerkt und weiter beobachtet. Fünf Minuten nach meinem Zusammenbruch ging’s dann aber schon weiter und oben im Dorf angekommen, stellten wir fest, dass meine Lieblingsumhängetasche und Taschenmesser verloren gegangen waren. Hmmm - komisch war der Gedanke “Bald hast Du etwas Besseres!” Nix gesagt - wäre ja auch wirres Zeug. Weiter ging’s. Evan und ich hatten eine gute Zeit und machten uns unabhängig voneinander das gleiche Tattoo am Handgelenk. Die Sonne und den Mond, die Verschmelzung von Maskulin und Feminin. Hmmm - schön! Lustigerweise war das einzige, was die berühmte Whang Ott (die älteste Tatowiererin des Dorfes) aufgrund ihres Alters noch tätowieren konnte, drei Punkte. Mama, Papa, Kind? Ein weiterer Gedanke in meinem verwirrten Kopf. Deshalb liess ich dieses Tattoo wohl auch hinter mein Ohr stechen. Besser zuhören? Oder nicht soviel im Kopf sein? Evan suchte sich die Brust aus.

Auf der Heimfahrt war mir bereits schlecht im Bus, da grinste ich dann doch schon etwas in mich hinein. Wir sprechen aber trotzdem noch von einer Zeit, wo noch nicht mal ein Schwangerschaftstest zuverlässig anschlagen würde. Auf einer weiteren Busfahrt wurde mir mein iPad geklaut. Das tat weh. Das war nicht schön, doch schonwilder diese Gewissheit, dass etwa Neues kommen würde…
Und dann passierte es. Viele Jahre zuvor, als ich im Hamburger Geburtshaus einer meiner Rückbildungskurse gab, erzählte eine Frau, dass sie bei dieser Schwangerschaft mal wieder gemerkt habe, dass sie schwanger sei, als ihr Fuss wehtat. Keine Ahnung, aber ich hatte mir das über Jahre eingeprägt, nie vergessen, natürlich niemals einer Frau erzählt, um ihr frühe Schwangerschaftsanzeichen näher zu bringen. Und dann mussten wir zur Fähre rennen, um wieder auf meine Insel Palawan zu kommen. Und da war es: ein Schmerz im Fuss, an der Fußsohle, wie ein Krampf. Ich konnte kaum rennen, doch die Fähre war dabei abzulegen. Irgendwie hatte ich es geschafft und dann war ich mir schon echt sicher. Zu Evan sagte ich immer noch nichts, es dauerte eh noch recht lange, bis ich es ihm gesagt habe, da ich ja wenigstens einen Test machen wollte. Stattdessen habe ich mich lieber auf der Fähre mit ihm gestritten und in launischer Schwangerschaftsmanier stundenlang nicht mit ihm geredet. Oh diese Gefühlsschwankungen!
In den nächsten Tagen wieder zu Hause in meiner kleinen Bambushütte im Wald eine Community kamen mir immer wieder Gedanken an meine ehemalige Hebammenkollegin Manja, welche mit 37 ihren Sohn bekam. Schon damals hatte ich dieses undefinierte Gefühl zu dieser Zahl und zu dem Fakt, dass es bei mir evt. auch so sein könnte.
Irgendwann gingen wir dann schwimmen am Nagtabon Beach, einer der schönsten Strände, die ich kenne und an dem ich schlussendlich Laya auch gebar. Ich schwamm also, kraulte im klaren wunderschönen warmen Wasser des südchinesischen Meeres und blicke nach vorn und konnte Evan´s Füsse gerade noch sehen und davonschwimmen. Und da geschah es: Ich sprach sozusagen ins Wasser hinein, mein Kopf unter Wasser: “Laya, you are welcome, we love you, please stay.” - “Laya, Du bist willkommen, wir lieben Dich, bitte bleib hier.” Ich war ziemlich perplex, auch über den Fakt, dass ich seinen Namen wusste und dass mir auch glasklar war, dass er ein Junge ist. Laya bedeutet “frei” auf Tagalog / philippinisch und ich hatte vorher durch einen lieben Freund von diesem Namen gehört. Ich schwamm erstmal weiter und war natürlich verwirrt und erstaunt und über die Klarheit und diese Ausdrucksweise und war auch nicht sicher, wo das alles herkam. Habe ich das gesagt? Wurde das durch mich gesagt? Hmmm - und dann sah ich etwas schimmern. Von weitem schon sah ich etwas auf dem Meeresgrund. Ich tauchte hinunter und hob es auf. Es war eine 1 Peso Münze, die soviel symbolische Kraft in sich trug. 1 Sohn, erstes Kind, meine Name “Isa” bedeutet 1 auf Tagalog usw. Es machte soviel Sinn und ich habe diese Münze noch heute.

Doch gesagt hatte ich immer noch nichts. Zu wirr kam mir das alles noch vor und ich war ja noch nicht mal überfällig. Doch dann kam die Regel nicht und 4+5 machte ich dann einen Schwangerschaftstest im Garten einer Freundin, der sehr viel Bedeutung für mich hatte. Und er war super schwach positiv. So schwach. Ich erzählte es einer Freundin, die etwa drei Monate zuvor mit mir ihr erstes Kind bekam und sie war sich nicht sicher, da der Test wirklich positiv war. Ich wurde etwas unsicher, aber die Hoffnung war auch ganz dolle da. Ein paar Tage später (am Kindertag) machte ich nochmal einen Test und dieser war dann klar positiv.
Was für eine Reise und dem Evan konnte ich es dann auch bei Vollmondschein erzählen.
*Ich war bei der Konzeption 36 Jahre alt, doch unsere Eizellen existieren ja bereits, wenn wir noch im Bauch unserer Mama sind.
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