Können Kinder bei der (Haus)Geburt dabei sein?
- 2. März 2023
- 4 Min. Lesezeit
Geschwister und Geburt, ist das okay? Ja absolut! Vor einigen Wochen konnte ich meine erste Hausgeburt hier in Mexiko unterstützen und die kleine Rosa kam sicher und sanft im Wasser zur Welt. Neben dem Pool stand ihre 4-jährige Schwester und feuerte ihre Mama auf französisch an. Sie sagte Dinge wie „Atmen!, Entspann dich!, Verzweifle nicht!“ Und manchmal musste sie auch das Zimmer verlassen und kurz weinen, wenn die Wellen ihre Mama intensiv erfassten. Doch tapfer kam sie immer wieder zurück und wollte dabei sein - bei diesem alles verändernden Erlebnis. Sie war in der Lage zu sehen, wie das Köpfchen ihrer Schwester langsam geboren und aus dem Wasser in die Arme ihrer Mutter gehoben wurde. Sie war sogar so mutig und berührte das Köpfchen von Rosa kurz bevor jene ihre Schultern drehte und heraus schwebte. Sie war neugierig auf alles und sagte oft „Ich will sehen, ich will es sehen!“. Sie ist die stolzeste große Schwester und wird nie vergessen, wie sanft eine Geburt sein kann. Es ist in ihrem Körper, ihrem Geist und ihrer Seele eingeprägt. Für immer. Was für ein Geschenk.
Mein Sohn Laya war auch da, außerhalb des Zimmers, aber er kam herein, als er das Baby kurz nach der Geburt leise weinen hörte. Es ist bereits seine 5. Hausgeburt! Wenn er an Geburt denkt, dann denkt er an einen Pool. Er sah tatsächlich nur Wassergeburten bis jetzt! Ist das nicht wundervoll? Er hinterfragt es nicht einmal. Für ihn ist das ganz normal.
Auf dem Foto sieht man, wie Laya die Nabelschnur von Rosa berührt! Laya kennt übrigens auch nur Lotusgeburten.

Bei Laya´s Geburt am Strand von Palawan, einer philippinischen Insel, waren auch zwei Kinder dabei. Die 7 Jährige Sofie und die 1 jährige Kala (Siehe die Fotos und lies auch meinen Artikel “Helfende Hände”, in dem ich über meine Geburt in Gemeinschaft ausführlich schreibe). So verändert sich die Geburtskultur! Kala und Sofi erlebten übrigens noch weitere Geburten (die ihrer Geschwister) nach Laya´s. Ich bin so stolz auf euch, Kinder und auf die Eltern, welche sie zu den Geburten einluden.

Oft haben wir Sorge, dass es für unsere Kinder zu erschütternd sein könnte, ja vielleicht sogar traumatisch. Jedoch habe ich in meiner langjährigen Erfahrung noch nie von so einem Fall gehört oder etwas Ähnliches erlebt. Die Geschwisterkinder sind meist sehr gut in der Lage, sich zu schützen und zu filtern, was nicht verstanden werden kann und dadurch evt. traumatisierend wirken könnte. Doch was ist an Geburt nicht zu verstehen?
Seit Monaten werden sie darauf vorbereitet, dass aus dem Bauch bzw. der Vagina der Mama ihr Geschwisterchen kommen wird. Und dass wir alle so geboren werden, als Baby, klein und schutzbedürftig, zart und voller Liebe. Sie verstehen, instinktiv und ist es ihnen einfach klar. Sie küssen die Bäuche ihrer Mamas, horchen den Herzschlag, erzählen dem Schwesterchen oder Brüderchen, wie sie bald gemeinsam spielen werden. Ich habe bisher nur ganz liebevolle Beziehungen zwischen Babybauch und Geschwisterkind erfahren und dies hilft enorm beim Erleben der Geburt.
Und sein wir doch mal ehrlich: Trotzdem ist Geburt ja auch immer noch ein Wunder, welches noch nicht mal ich als Hebamme richtig begreifen kann. “Wie? Dieses kleine Wesen war gerade noch in seiner Mutter drin? Konnte nicht atmen, nicht “richtig” hören oder sehen, sein Herz-Lungenkreislauf war komplett anders! Kannte keine Schwerkraft oder Kälte…!” Es ist faszinierend. Und wer lässt sich nicht leichter faszinieren und wer glaubt noch am ehesten an Wunder? Na unsere Kleinen. Sie verstehen es mit dem Herzen, mit ihrem Körper, spielen es nach, wenn sie mal auf Toilette sitzen und feste drücken müssen. Oder wenn Laya viel gegessen hat, dann sagt er eben, er sei schwanger von Mangos. Wir kennen das alle.
Oft habe ich auch erlebt, dass Kinder einfach nicht aufwachen, wenn die Geburt nachts im Haus stattfindet. Und am Morgen ist dann das Geschwisterkind geboren oder man weckt sie kurz nach der Geburt. Wir können unseren Kindern vertrauen. Es gibt weitaus traumatisierendere Dinge auf der Welt als eine Geburt in den eigenen vier Wänden.*
Und das Geschenk, welches wir ihnen mitgeben und was ich bereits erwähnte, ist unermesslich. Wir lassen sie an reiner und natürlicher Geburtskultur teilhaben. Wir zeigen, dass Menschen in Frieden, mit Zeit, in instinktiver Bewegung, in Liebe und unterstützender Begleitung eines wohl wollenden Teams geboren werden können. Wir prägen unsere Kinder für immer. Und damit prägen wir unsere Gesellschaft und machen die Gebärkultur ein stückweit humaner.
Wenn Du also vor der Frage stehst, ob Dein Kind / Deine Kinder bei der Geburt des Babys dabei sein sollten, dann möchte ich Dich mit diesem Artikel dazu ermuntern. Du wirst instinktiv Deinen eigenen und richtigen Weg finden. Ich ermutige Dich, in Dich reinzuhören und diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen.
Falls Du Fragen zu dem Thema oder anderen Themen hast, dann schreib mir doch einfach eine Email unter yourmidwifehour@gmail.com und verabrede ein kostenloses Kennenlerntelefonat oder schau Dich auf meiner Webseite bei meinen Hebammenunterstützungsangeboten um
Ich freue mich auf Dich! Isabel
*Wir gehen hier natürlich davon aus, dass die Geburt ohne schwierige Komplikationen verläuft.


